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Popmusik bezeichnet eine Musikform, die aus dem Rock \'n\' Roll, der Beatmusik und dem Folk seit 1955 entstand und von Musikgruppen aus dem angloamerikanischen Raum wie den Beatles fortgeführt und popularisiert wurde. Sie gilt als seit den 1960er Jahren international etablierte Variante afroamerikanischer Musik, die im Kontext jugendlicher Subkulturen entstand, elektroakustisch aufbereitet und massenmedial verbreitet wird. Im weiteren Sinne zählt jede durch Massenmedien verbreitete Art von Unterhaltungsmusik wie Schlager, Filmmusik, Operette, Musical, Tanzmusik, sowie populäre Adaptionen aus Klassik, Folklore und Jazz zur Popmusik. Die Verwendung „Popmusik“ im Sinne von „populäre Musik“ ist in der Musikwissenschaft umstritten. Popmusik als Massenprodukt Die für den „Mainstream“ produzierte Popmusik bezieht sich nicht nur auf ihre eigene ursprüngliche Tradition aus dem Vaudeville, dem Volkslied und dem Kunstlied, sondern inkorporiert verschiedene aktuelle Musikstile. Dabei nimmt sie den ursprünglichen Musikformen meist die Komplexität, entfernt für die gängigen Hörgewohnheiten Ungewohntes und Irritierendes, um sie für eine breite Masse zugänglicher und konsumierbarer zu machen. Das trifft sowohl auf die Vereinnahmung von Volksmusikelementen in der volkstümlichen Musik zu als auch auf modifizierte, \"gezähmte\" Anleihen bei ursprünglichen afro-amerikanischen Musikstilen wie Jazz, aber auch den Rap. Der Erfolg der kommerziell ausgerichteten Popmusik misst sich in den Hitparaden. Popmusik ist der kommerziell lukrativste Zweig der Musikindustrie. Häufig lässt sich Popmusik durch Einfachheit und Wohlklang charakterisieren, im Einzelnen durch als angenehm empfundene einfache Harmonieabfolgen, leicht einzuprägende (meist nachsingbare) Melodiefolgen, die oft auf der Diatonik beruhen, wenig komplexe, durchgehende Rhythmen, einen klassischem Liedaufbau (Strophe/Refrain) sowie einen sanften, melodischen Gesang. Allerdings sind dies keine allgemeinen Merkmale, die für jede Form von populärer Musik gelten. Die Charakterisierung von Popmusik als \"einfach\" folgt zumeist einer bewussten oder unbewussten Gegenüberstellung mit klassischer Musik, die in der Regel rhythmisch, harmonisch und melodisch ungleich vielschichtiger ist. Die Eingängigkeit und Wohlgefälligkeit von Popmusik wird auch in der Popkultur als ästhetisches Stilmittel benutzt. Hier geht es allerdings nur bedingt oder gar nicht darum, die breite Masse per se zu erreichen, sondern Menschen mit einem bestimmten Lebensstil anzusprechen. Schon The Beatles wandten sich gezielt an eine junge Generation, was vorher nur in der Rockmusik üblich war. Anfang der 1980er Jahre wurden von Musikern des New Wave kritische Texte mit stärkere Betonung auf einprägsamen Melodien transportiert, um ein größeres Publikum zu erreichen. Geschichte der populären Musik Der Begriff \"populäre Musik\" und seine Vorgeschichte Der Begriff \"populär\" lässt sich in der Musikgeschichte schon wesentlich früher nachweisen als in den 1950er und 1960er Jahren, als der Begriff \"Popmusik\" im Rahmen der Entwicklung der Popkultur geprägt wurde. Der deutsche Begriff \"Volkslied\", als Übersetzung der englischen Bezeichnung \"popular song\", stammt aus einer 1773 erschienenen Rezension von Johann Gottfried Herder über eine 1765 in England erschienene Sammlung von englischen und schottischen Balladen. Populäre Musik im Mittelalter Bis zum 19. Jahrhundert wurde Instrumentalmusik als minderwertig betrachtet. Musik war das, was die menschliche Stimme machte. Tanzmusik hatte eine sehr untergeordnete Funktion. Instrumente wie die Drehleier, die seit dem 10. Jahrhundert dokumentiert ist, wurden verachtet, bis ein Interesse am Volkstümlichen seit Ende des 18. Jahrhunderts die Aufmerksamkeit auf sie lenkte. Eine Aufwertung erfuhr hingegen die Musik der Stadtpfeifer seit dem Spätmittelalter und in diesem Zusammenhang auch die Militärmusik. Populäre Musik bestand zur Hauptsache aus dem Lied, das fast nur in religiösen Zusammenhängen aufgezeichnet wurde. Ausnahmen wie die Carmina Burana (1230) gestatten einen Einblick in die Praxis des mittelalterlichen Singens. Melodien sind allerdings nur teilweise erhalten, und wie sie gesungen wurden, kann man nicht mehr sagen. Die Tradition der Kontrafaktur zeigt, dass weltliche Melodien auch auf die religiöse Musik Einfluss hatten. Aufzeichnungen waren für die Musikpraxis nicht nötig. Berühmte Melodien wie die \"timbres\" der Vaudevilles seit dem 15. Jahrhundert verbreiteten sich trotz der beschwerlichen Verkehrswege ungeheuer schnell. Das 19. Jahrhundert Die Verbreitung der Musik an sich war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auf das Abschreiben von Notenblättern beschränkt, da das Notensystem zu kompliziert zum Letter-Druck war; es konnten (auch in Ermangelung von zum Noten lesen fähiger Schreiber) lediglich im mechanischen Verfahren des Notenstichs einzelne Kopien von Notenblättern hergestellt werden. Dies änderte sich erst, als Alois Senefelder das Verfahren des Steinplattendrucks (die Lithographie) erfand. Dadurch gelang es zum erstenmal im Jahre 1796 in München eine auf Spezialpapier geschriebene Partitur als Negativ aufzutragen und originalgetreu abzudrucken. Zwar waren mit diesem Verfahren zuerst nur wenige Kopien möglich, doch die Erfindung der Dampfmaschine und die Verbesserung der Technik ermöglichten schon Anfang des 19. Jahrhunderts größere Auflagen von Notenblättern. Durch die Industrialisierung des Notenblattdruckes ergaben sich bedeutende Konsequenzen für die Entwicklung der populären Musik: die Musik des \"einfachen\" Volkes konnte nun erstmals günstig in Massen reproduziert werden, was eine Vereinheitlichung der Versionen klassischer Volkslieder in Bezug auf Text und Tonfolge zur Folge hatte, ähnlich der \"Standardisierung\" der deutschen Märchen durch die Zusammenstellung der Brüder Grimm; bei der klassischen Konzert- und Opernmusik setzte außerdem ein Trend ein, der dem heutigen \"covern\" von Popsongs nicht unähnlich ist, so wurden z. B. ganze Opern für wenige oder nur ein Instrument umarrangiert - mit teilweise kuriosen Ergebnissen wie z. B. Mozarts \"Zauberflöte\" als reines Flötensolo. Damit entstand auch ein ganz neuer Berufszweig: der \"Arrangeur\", der quasi aus altbekanntem Material klassischer Komponisten \"frische\" Versionen bastelte. Die bedeutenden gesellschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts hatten natürlich auch Auswirkungen auf die populäre Musik. Die Urbanisierung z. B. führte zu einer Anpassung der Dialekte innerhalb der großen Stadtgemeinschaften, die Städte übernahmen die Funktion kultureller \"Schmelztiegel\", in denen sich Menschen aus verschiedenen Regionen auch musikalisch austauschten. Die kleinen bäuerlichen Gemeinden verwandelten sich im Urbanen in die große Berufsklasse der Industriearbeiter, die nach wie vor viel arbeiten mussten, ihre gelegentlichen Feste nun aber im großen Rahmen feierten (das Oktoberfest in München dürfte ein bekanntes Beispiel sein). Aber auch das an Einfluss und Wohlhaben immer mehr gewinnende Bürgertum fand in Salons und Varietés einen gemeinsamen Ort und Stil von Musik. Die zunehmende Geschwindigkeit, mit der Personen und Waren sich durch ganz Europa bewegen konnten, erleichterte auch die Verbreitung neuer Stile, im Bereich der Tanzmusik sei hier der Walzer als Beispiel angeführt. Die Entwicklung in den Vereinigten Staaten Dass die USA in der Musikgeschichte bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts praktisch kaum eine Rolle spielten, hat im wesentlichen zwei Gründe: Erstens waren die gesellschaftlichen Verhältnisse anders als in Europa, vor der Gründung der USA existierten neben den Indianerkulturen nur einzelne Kolonien europäischer Nationen, die keine eigenständige kulturelle Identität besaßen, sondern einfach das Kulturgut und die Musik der Mutternationen importierten; zweitens musste erst der Prozess der Erschließung des Westens vollendet sein, damit sich eine stabile Gesellschaftsstruktur und eine eigenständige kulturelle Identität entwickeln konnte. Die afroamerikanische Musiktradition Besonders bedeutend für die Entwicklung der populären Musik war jedoch der Unterschied zwischen den als \"Rassen\" klassifizierten Menschengruppen: Während die europäischstämmige Bevölkerung trotz eines amerikanischen Selbstbewusstseins in kultureller Hinsicht weitestgehend ihren zumeist europäischen Wurzeln verhaftet blieb, waren die Afroamerikaner als Sklaven aus Afrika verschleppt und in den USA oft absichtlich von Menschen ihrer eigenen ethnischen Gruppe getrennt worden. Da die Siedlungsstruktur in Afrika dezentral war und einige Stämme auch nomadisch lebten, standen die Verschleppten in den USA nicht nur vor einer Sprachbarriere (fast jeder sprach eine andere Sprache oder Dialekt), sondern auch vor einem kulturellen Problem, da es kein \"nationales\" Liedgut gab, das allen bekannt war. Zudem war ihnen die Ausübung ihrer kulturellen Traditionen, so auch der Musik, verboten. So mussten die Sklaven nicht nur die Sprache ihrer \"Besitzer\" lernen (das Sprechen oder Singen in der Heimatsprache stand auf den Baumwollplantagen oft unter Strafe), sondern sich auch auf gemeinsame Inhalte verständigen, die zumeist auch noch von christlichen Missionaren beeinflusst wurden. Andererseits entwickelte sich durch diese Unterdrückung und gewaltsame Abtrennung von der Heimatkultur unter den Afroamerikanern als ersten US-Amerikanern so etwas wie eine gemeinsame neue Kultur, die auf übernommenen Elementen der europäischen Kultur in Verbindung mit afrikanischen Traditionen beruhte. Diese spielte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgrund ihres Status und ihrer sozialen Situation erst einmal keine besondere Rolle. Nach dem US-amerikanischen Bürgerkrieg, der den Sklaven zumindest formal die Freiheit der Berufswahl brachte, strömten viele der ehemaligen Sklaven von den Plantagen im Süden in die Industriezentren im Norden, um dort ihr Geld zu verdienen, ein nicht unbedeutender Teil aber ergriff auch andere \"einfache\" Berufe, die bei den Weißen nicht auf besonderes Interesse stießen, dazu zählte z. B. auch der Beruf des Salonmusikers, der zumeist verschiedene populäre musikalische Stile beherrschte. So mischten sich auch immer mehr Schwarze unter die zuvor rein weißen Minstrels. Einige ehemalige Plantagenarbeiter gründeten aber auch gleich nach dem Bürgerkrieg eigene kleine Bands und kauften u. a. die ausgemusterten Instrumentenbestände der recht zahlreichen Militärkapellen auf. Daraus entwickelte sich in den ersten 20 Jahren nach dem Bürgerkrieg eine fortschreitende Dominanz von Schwarzen im Berufsmusikertum, während die weißen Musiker vornehmlich Bereiche wie die \"vornehmen\" klassischen Orchester besetzten. Von den Zentren wie New Orleans, das sich schon aufgrund vergleichsweise größerer Freiheiten für Afroamerikaner im 19. Jahrhundert zu einem musikalischen Zentrum entwickelt hatte, und Chicago aus gewannen die schwarzen Musiker so einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der populären Musik in den USA. Zu erkennen ist dies z. B. an den zunehmenden Imitationen von \"schwarzen\" Kompositionen durch weiße Komponisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Schließlich entwickelte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts der erste von Schwarzen geprägte Musikstil, der quasi zum nationalen \"Trend\" wurde: der Ragtime. Die entstehende Jazz-Musik gilt als erste eigenständige US-amerikanische Form der populären Musik. Ragtime Der Ragtime (zu deutsch etwa \"Fetzentakt\") entstand in den 1890er Jahren aus, der europäischen Kulturtradition entlehnten, auf die eigene Art interpretierten, Tänzen der Afroamerikaner wie dem Cakewalk, dem Jig oder dem Strut und war ursprünglich eher als Tanzmusik konzipiert, viele frühe Ragtimes tragen auch die Taktbezeichnung \"march time\", sind also auch verwandt mit dem aus Europa stammenden Marsch - nicht zuletzt deshalb entstanden bereits um 1885 herum erste Ragtimes weißer Komponisten. Als der bedeutendste Komponist des Ragtime gilt Scott Joplin, dessen erste Stücke 1895 erschienen. Ihm gelang es, aus einer Musik der Bordelle und Kneipen einen allgemein anerkannten, konzertfähigen Stil zu machen, nicht zuletzt durch seine mit dem Genie von Mozart, Chopin und Brahms verglichenen Fähigkeiten am Klavier, dem Instrument des Ragtime und überhaupt dieser Zeit. Ein besonderer Meilenstein in der Musikgeschichte gelang ihm 1899, als er seinen \"Maple Leaf Rag\" veröffentlichte, dessen \"sheet of music\" (engl. für \"Notenblatt\" - man nannte die populäre Musik dieser Zeit daher auch \"sheet music\") sich innerhalb kürzester Zeit eine Million Mal verkaufte - ein bis dahin nie gesehener Erfolg eines kurzen Unterhaltungsmusikstückes. Der Ragtime ging schließlich ab ca. 1916 im Blues und Jazz auf. Der Beginn der Schallplattenaufnahmen und die Herausbildung der Musikindustrie Medien und Musikverlage Das bedeutendste Live-Medium für populäre Musik war bis zum ersten Drittel des 20. Jahrhunderts das Theater, vom Boulevardtheater bis zur Music Hall. Reine Konzertmusik gab es kaum. Gedruckte Musiknoten waren zur Hauptsache Erinnerungen an Theatererlebnisse. Auch Tonaufzeichnungen in der Frühgeschichte des Grammophons erfüllten noch diese Funktion. Mit dem Aufkommen des Rundfunks und vor allem des Fernsehens verlor das Theater diese Vorherrschaft. In den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhundert hatte sich die Technik zur Aufzeichnung und Reproduktion von Tonaufnahmen soweit entwickelt, dass sie voll kommerziell nutzbar war; abgesehen von der mangelnden Tonqualität war der 1877 entwickelte Phonograph bis dahin noch so teuer, dass sich nur reichere US-Amerikaner ein solches Gerät leisten konnten. 1902 wurden die Caruso-Arien zum ersten weltweiten Schallplatten-\"Hit\". Das Geschäft mit der Musik und den Notenblättern wurde von der sogenannten \"Tin Pan Alley\" in New York aus gesteuert, wo die meisten großen Musikverlage dieser Zeit ansässig waren. Deren Aufstieg begann mit der zunehmenden Nachfrage nach den song sheets (Notenblätter) und song books (Liederbücher) ab den 1890ern, speziell durch die beliebten \"Rags\", den Schlagern der Ragtime-Zeit, die jedoch musikalisch nur wenig mit dem instrumentalen Ragtime zu tun hatten. Sie gingen von Revuen wie den Ziegfeld Follies, Vaudevilles, Minstrel shows oder der Musical Comedy aus. Die Tin Pan Alley trug entscheidend zur verstärkten Kommerzialisierung der populären Musik in den USA bei: Hier wurde nur das herausgebracht, was mit großer Sicherheit den Massengeschmack eines möglich großen Marktes treffen würde. Wollten Komponisten eher klassische Stücke veröffentlichen, wurden sie hier meist abgewiesen und mussten den Umweg über Europa nehmen oder im Eigenverlag veröffentlichen. Neben den Faktoren der zunehmenden Verbreitung von Phonographen und der wachsenden Beliebtheit der Broadway-Musicals in den 1920ern war die Einführung des Tonfilms in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts ein besonders wichtiger Wendepunkt, da nun die Film- und die Musikindustrie zu verschmelzen begannen (z. B. wurde das Filmstudio Warner Brothers als Musikverlag aktiv). Als die \"Erfolgsproduzenten\" der Tin Pan Alley gelten trotz prominenter Konkurrenz wie Irving Berlin und George Gershwin die Produzenten und Komponisten Richard Rodgers und Oscar Hammerstein, die nicht nur mit dem kommerziellen Erfolg ihres Musicals \"Oklahoma!\", das noch heute ausverkaufte Häuser bringt und als LP zum ersten Mal die Millionen-Absatzmarke übersprang (sowie als Partitur in wenigen Jahren weltweit zwei Millionen mal verkauft wurde), einen Meilenstein setzten, sondern auch als erste Künstler ein selbst beim inflationsbereinigten Vergleich mit heutigen Gagen nur als exorbitant zu bezeichnendes Einkommen von 15 bis 20 Millionen Dollar jährlich erreichten. Blues und Country Ab ca. 1920 ließen sich auch für die einfache Bevölkerung erschwingliche in der Tonqualität für die damalige Zeit akzeptable Schallplatten und die entsprechenden Abspielgeräte herstellen. Diese Schallplatten wurden in Drogerien und Gemischtwarenläden für einige Cent verkauft, die Abspielgeräte gab es beim Möbelhändler. Besonders interessant für die nicht an das Stromnetz angeschlossene Landbevölkerung waren Kurbelplattenspieler, die in dieser Zeit populär wurden. Um den neuen Markt zu erschließen, wurden auch Aufnahmen von Minderheitenmusik wie die bald so bezeichnete Race Music der Afroamerikaner und den Hillbilly der weißen, südstaatlichen Landbevölkerung gemacht. Im Februar 1920 erschien die erste Blues-Schallplatte, aufgenommen von Mamie Smith. Sie verkaufte sich so gut, dass die Musikindustrie plötzlich ein großes Interesse an den schwarzen Blues-Sängerinnen bekam, die bisher nur in den sogenannten Vaudeville-Theatern zu hören waren (man nennt den Blues der \"Roaring Twenties\" daher auch Vaudeville-Blues). Wie nah auch der Blues noch an den Wurzeln aus der Zeit der Sklaverei war, zeigt der neben dem \"klassischen\" Blues in dieser Zeit ebenfalls sehr populäre \"Country Blues\", der textlich und musikalisch deutlich den \"work songs\" und \"field hollers\" der Plantagenarbeiter ähnelte. Um den Bedarf an Blues-Schallplatten zu decken wurden spezielle Labels von den Plattenfirmen gegründet, die zu Anfang ausschließlich schwarze Sängerinnen unter Vertrag nahmen - die bekannteste dürfte Bessie Smith sein, bei den männlichen Interpreten hat John Lee Hooker wohl den größten Ruf. Auch die (erst später so bezeichnete) Country-Musik, die sich aus verschiedenen volksmusikalischen Stilen der europäischen Einwanderer, besonders der irischen und englischen, entwickelt hatte, wurde ab ca. 1923 als Absatzmarkt entdeckt. Die Geschäftsleute Polk Brookmann und besonders erfolgreich Ralph Peer entdeckten das kommerzielle Potential der Musik der abgelegenen Bergregionen der Appalachen. Aufgrund seiner Popularität wurde die Musik zum Teil auch gefördert, um der landesweiten Begeisterung auch vieler Weißer für Ragtime Einhalt zu gebieten. Während der Großen Depression in den 1930er Jahren wurde der Country, der auch bei den Schwarzen der Südstaaten beliebt war, als vereinigende US-amerikanische Musik von staatlicher Seite popularisiert. Swing und Rock ’n’ Roll Der Swing, der seine Blütezeit (den sogenannten \"Swing Craze\") etwa zwischen 1935 und 1945 hatte, war der erste Stil der populären Musik, der die gesamte amerikanische Gesellschaft ohne Unterschiede zwischen schwarz und weiß oder arm und reich erreichte. Dies lag nicht zuletzt an dem auf Tanzbarkeit statt auf \"Aussage\" ausgerichteten Charakter dieses Stils. Im gewissen Sinn ist diese Musik außerdem ein Bekenntnis der US-Amerikaner zu Größe und Aufwand, manifestiert durch die Big Bands, die aus doppelt oder dreimal so vielen Musikern bestehen wie übliche Jazz-Formationen. Bei Big Bands mit 14 oder mehr Mitgliedern war die Jazz-typische Kollektivimprovisation praktisch ausgeschlossen, an ihre Stelle traten Soli einzelner Musiker, meist von bekannten \"Star-Solisten\". Der Swing enthält gut hörbar Elemente des Jazz, aber auch von \"weißen\" Musikstilen, wobei der Anteil der schwarzen Musik am Swing oft unterschätzt wird, da viele der bekannten Big Bands auch aufgrund rassistischer Beschränkungen stark weiß besetzt waren. Der bekannteste schwarze Band-Leader dürfte Duke Ellington sein, mehr bekannte Namen finden sich bei den Weißen wie z.B. Benny Goodman, Jimmy und Tommy Dorsey, Les Brown und natürlich Glenn Miller. Nicht zuletzt bedingt durch den Zweiten Weltkrieg blieb der Swing ein fast ausschließlich US-amerikanisches Phänomen, das lediglich in Großbritannien noch als \"Import\" gewisse Verbreitung fand. Die verbreitete Ansicht, dass die 1930er bis 1950er Jahre den künstlerischen Höhepunkt des (gesungenen) populären Musikschaffens in den USA gebracht hätten, kommt im Begriff Great American Songbook zum Ausdruck, mit dem eine nicht genau festgelegte Anzahl herausragender Songs der amerikanischen Unterhaltungsmusik dieser Zeit bezeichnet wird. Der Rock ’n’ Roll als Musikstil ist eine Synthese aus verschiedenen, unabhängig voneinander entstandenen (regionalen) Stilen, die wichtigsten sind der Rhythm and Blues und die Country-Unterstile Western Swing und der Honky Tonk. Der R&B ist im Prinzip ein Blues-Stil, der aber auch Elemente aus speziellen Jazz- und Swing-Stilen enthält und von \"Vocal Groups\" mit nur geringfügiger instrumentaler Begleitung (meist nur Gitarre) geprägt wurde. Die bedeutendsten regionalen Formen waren der R&B aus Chicago, der z. B. Chuck Berry beeinflusste, und die New-Orleans-Variante, deren bekanntester Vertreter Fats Domino wurde. Der Western Swing ist eine Spielart der von der weißen Landbevölkerung der US-Südstaaten geprägten Country-Musik mit Elementen des Swing, die Ende der 1930er bekannt wurde, besonderen Auftrieb aber erst durch den ASCAP-Streit 1944 bekam. Er beeinflusste bekannte Interpreten wie Bing Crosby oder Bill Haley. Nicht zuletzt durch den bis dahin in seinem Ausmaß ungekannten Starkult um den \"King\" wurde der Rock ’n’ Roll zum weltweiten Trend, der auch das mittlerweile vom Zweiten Weltkrieg etwas erholte Europa und damit Deutschland ergriff, wo man sich wieder nach Unterhaltung und (\"unschuldigen\") Vorbildern sehnte. Außerdem prägte er den Jugendkult in der Popmusik entscheidend mit, da beim Rock ’n’ Roll die Interpreten von den Plattenfirmen erstmals hauptsächlich nach dem Kriterium der Altersnähe zum Zielpublikum ausgesucht wurden und oft nur Amateurmusiker waren. Die Entstehung des Rock ’n’ Roll steht in engem Zusammenhang mit den massiven gesellschaftlichen Umbrüchen dieser Zeit und markiert gemeinsam mit den Beats auch die beginnende Entwicklung der Popkultur. Zum Rock ’n’ Roll zählte als kurzlebiger Trend der \"Twist\" Anfang der 1960er, der von der Beatmusik der Beatles und Anderer abgelöst wurde, die dieses Jahrzehnt bestimmte. Schließlich folgten die unter der Begriffsabspaltung \"Rock\" zusammengefassten Musikstile. Rock ’n’ Roll und nachfolgende Stile haben seitdem vorangehende Stile wie Entertainer und Schlager in der Popularität stark zurückgedrängt und bestimmen die Popmusik-Hitparaden. Seit der Kommerzialisierung des Rock ’n’ Roll (und somit auch der Abschwächung seines widerständigen Potentials) in den späten 1950er Jahren wurden Trends der Popmusik in Europa, aber auch der restlichen Welt nicht nur aus ästhetischen, sondern auch ökonomischen Gründen von den USA aus geprägt. Die Funktionen der modernen Popmusik und die Zukunft In den letzten 50 Jahren entwickelten sich unzählige neue Stile und Unterstile der Popmusik. Die Funktion der Stile besteht vor allem im Unterhaltungsaspekt. Trotzdem gelang es aber auch Musikern wie Bob Dylan, Anfang der 60er Jahre, eine populäre Synthese aus Musik und politischen Inhalten zu schaffen und wie zum Beispiel John Lennon in seinem Song \"Imagine\" eine philosophische Idee zu verbreiten. Mit dem Song \"Houses Burning Down\" verarbeitete Jimi Hendrix 1968 aktuelles politisches und gesellschaftliches Zeitgeschehen. Das Lied handelt vom Watts-Aufruhr. Beispiele für die Kommerzialisierung neuer Trends Popmusik war und ist auch stets ein Ausdrucksmittel einer Generation oder eines Milieus und dient zur Vermittlung eines gemeinschaftlichen Lebensgefühls und einer gemeinsamen Ästhetik, die sich z. B. in der Form der Musik und in der Kleidung ausdrückt. Als Beispiel für einen Milieu-Stil sei hier der Rap genannt, der ursprünglich nur die Musik der schwarzen Jugendlichen in den US-amerikanischen Großstadt-Ghettos war und dessen Wurzeln bis zum Rhythm & Blues zurückreichen. Erst in den letzten 20 Jahren wurde der Rap von den stets nach neuen Trends suchenden Medienkonzernen zum global populären Musikstil \"hochpromotet\", wobei diese Entwicklung nicht nur auf die Musik beschränkt blieb, denn auch der Kleidungsstil der Hip-Hop-Bewegung wurde in den 1990ern zum allgemeinen Modetrend und ist heute fast schon fester Bestandteil unseres Modebewusstseins. Als Beispiele für Generationen erfassende Stile seien hier die Flower-Power-Bewegung und die Disco-Musik der 1970er genannt. Allerdings unterstützen die Musikproduzenten mittlerweile nicht nur Massenbewegungen, sondern auch zwar global verbreitete, aber im Gegensatz zur Musik einer Britney Spears oder Madonna nur von einer kleineren Zielgruppe in kulturellen Nischen nachgefragte Musikstile wie z. B. den Gothic Rock. Dies resultiert aus dem enorm harten Wettbewerb unter den Produzenten, der diese geradezu dazu zwingt, jeden irgendwie Absatz versprechenden Trend auszunutzen oder gar selbst neue, \"unverbrauchte\" Trends zu schaffen. Im Gegensatz dazu ist bei einer anderen Funktion, die die populäre Musik seit je her abdeckt, der individuelle Zuschnitt überhaupt nicht gefragt, sondern hauptsächlich der Rhythmus und die Genussbefriedigung der breiten Masse, Mainstream. Ziel ist hier kein differenzierter ästhetischer Anspruch, sondern die Anregung und Begleitung zum Tanzen. Die bekanntesten Nachfolger des Swing als Tanzmusik dürften, neben dem Twist der frühen 1960er, vor allem die Disco-Musik, die seit Mitte der 1970er zum großen Teil ihren Underground-Charakter verloren hatte und Teile des heute populären Techno sein. Anfang der 1980er Jahre erlebt die deutschsprachige Popmusik im Zuge der Neuen Deutschen Welle einen großen Aufschwung in Deutschland. In Österreich existierte der Austropop, der sich großer Beliebtheit erfreute. Film und populäre Musik Im Zusammenhang mit der Disco-Musik wird außerdem der Aspekt der Wechselbeziehung zwischen Film und Musik noch einmal interessant, da in der Rock ’n’ Roll-Ära die Musikfilme noch eher die Folge des bereits populären Stils waren, während die Disco-Musik ihren weltweiten Siegeszug infolge des Films \"Saturday Night Fever\" 1978 antrat. Nicht zuletzt durch diesen Film und seine Nachfolger wurde der Trend verstärkt, zur Musik auch Bilder zu liefern (Musik und dazugehörige Bilder gab es bereits seit den Nickelodeons). Das bedeutendste Datum in diesem Zusammenhang ist der 1. August 1981, als in den USA der erste Spartenfernsehkanal nur für Musikvideos auf Sendung ging: MTV. Ab sofort wurde kaum ein Popmusiker zum Star, zu dessen Songs es nicht ein Video gab. Entsprechend bedingen sich der größte Popstar und der größte Videokünstler der 1980er jeweils gegenseitig - Michael Jackson. Dabei sind die Videos keineswegs notwendige Bestandteile der Popmusik - sie kommt auch ohne sie aus - sondern vielmehr so etwas wie Werbespots, die mit möglichst intensiven, ungewöhnlichen oder spektakulären Bildern auf den Künstler und sein Produkt aufmerksam machen sollen. Ausblick Auch wenn man den Eindruck gewinnen könnte, die Popmusik stagniere langsam aber sicher in ihrer Entwicklung, so bahnen sich doch im Zusammenhang mit dem Fortschritt der Kommunikations- und Computertechnologie bedeutende Veränderungen für die Zukunft an. So wie die Entwicklung der elektronischen Verstärkung und Nachbearbeitung, des Synthesizers, der digitalen Aufnahme usw. den Klang der Musik veränderte, so werden sicherlich auch die neuen Verbreitungsmöglichkeiten durch das Internet die gegenwärtige Form der Musikproduktion entscheidend verändern. Die nun schon seit fast hundert Jahren bekannten Singles und später Alben könnten bald Geschichte sein, da niemand mehr Geld für einen Datenträger ausgibt, auf dem nur die Musik einzelner Interpreten gespeichert ist und von der einen nur einzelne Stücke interessieren, wenn man dieses Stück einfach kostenlos über Filesharing wie Peer-to-Peer-Netzwerke oder gegen Entgelt bei kommerziellen Anbietern aus dem Internet herunterladen kann. Angesichts der schier unglaublichen Fülle an Musik-Titeln im Netz gewinnt auch die Möglichkeit, Musikstücke zu konsumieren, ohne sie dauerhaft auf dem eigenen Rechner zu speichern, an Bedeutung. Inhalte Popmusik und Politik Politische Inhalte haben in der Popmusik eine lange Tradition. Neben den Themen Liebe, Sex und Partnerschaft waren auch soziale und politische Motive immer schon, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität, unterschiedlichem künstlerischem Gehalt sowie aus unterschiedlichsten Gründen in der Populärmusik vertreten. Allgemein wird aber der Wirkungsgrad politisch motivierter Musik von Seiten der Medien und der Wissenschaft gerne unterschätzt. Tatsächlich aber zählt die politische Popmusik zu einem der bedeutendsten Bereiche im Rahmen der Unterhaltungsmusik, von dem eine klare ästhetische Wirkung ausgeht. Dabei darf man nicht den Begriff der politischen Ästhetik mit der ästhetischen Wirkung politisch orientierter Popmusik verwechseln, wenngleich in beiden Bereichen oft mit ähnlichen Mitteln operiert wird. Sowohl in der politische Ästhetik wie auch im Bereich der Ästhetik politisch orientierter Popmusik wird mit den Mitteln der Reklametechnik und der Suggestion gearbeitet. Beide ästhetische Formen sind auf Massenwirkung bedacht, mit dem Ziel, eine emotionale Identifikation der angesprochenen Massen mit den Inhalten der Politiker und Musiker aufzubauen. Freilich unterscheiden sich die Ziele gewaltig. Während die Politiker trachten, mit den Mitteln der Ästhetik einerseits die Ehrfurcht der Bürger zu erwecken und zu festigen, und andererseits eine Bereitschaft zur Unterstützung einer Partei oder einer Person hervorrufen wollen, steht bei der politisch motivierten Popmusik häufig die Selbstdarstellung der Künstler im Vordergrund. Die Musiker verkünden zwar eine Botschaft, deren Inhalte aber zumeist sekundär sind; entscheidend ist der von ihr ausgehende Mythos. Die Popmusik folgt dabei exakt den Strukturen der Mythen des Alltags, indem sie immer auf schon Vorhandenes, Bekanntes zurückgreift. Sie ist damit niemals authentisch, sondern plagiatorisch. Die Popmusik hat daher immer Anleihen bei anderen Musikstilen gemacht. \"Die Popmusik benutzt die Aura authentischer Musikformen, um mit ihnen eine ganz andere Aussage zu verschlüsseln. Das gleiche gilt für die Texte. Sie sind latent poetisch, aber selten authentisch poetisch, sie sind latent ideologisch, aber selten offen ideologisch, sie sind latent politisch, aber nie wirklich politisch, sie sind latent gesellschaftskritisch, jedoch niemals der Sache auf den Grund gehend.\" (nach R.Flender/H.Rauhe - POPMUSIK Darmstadt 1989 S.85) Genau dieser Umstand aber wird von Musikwissenschaftlern und Journalisten heftig kritisiert. Dabei werden offensichtlich die Voraussetzungen für die Entstehung von Popmusik vergessen. Die Musiker trachten, mit ihrer Musik ein möglichst großes Publikumsinteresse zu wecken. Dies kann allerdings nur gelingen, indem das Publikum nicht vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Die Musik soll die Fantasie der Rezipienten anregen, Aussagen mit uneingeschränktem Wahrheitscharakter würden das Publikum bald langweilen. Diese Vorgangsweise bedeutet nicht, dass politische Inhalte dabei auf der Strecke bleiben müssen, sondern lediglich, dass die Musiker trachten, dem Publikum einen Spielraum zur Interpretation der ausgehenden Botschaften einzuräumen. Die Vertreter der Popmusik können sehr wohl systemkritisch agieren, würden sie jedoch systemzerstörend agieren, dann würden sie sich ihre eigene (Erwerbs-)Grundlage entziehen. Die Grenzen der Popmusik in diesem Bereich sind also klar abgesteckt; auch wenn die Musiker sich noch so respektlos dem Establishment gegenüber verhalten, so wissen sie doch, dass sie Teil desselben sind. Obwohl dieser Umstand die künstlerische Freiheit einzuengen scheint, agieren politische Popgruppen sehr erfolgreich in der internationalen Musikszene. Im Idealfall gelingt den Vertretern der Popmusik nämlich die Erziehung des Publikums zu politischem Bewusstsein, ohne gleichzeitig Lösungen von musikalisch behandelten politischen Themen präsentieren zu müssen. Würden die Musiker tatsächlich immer Lösungen präsentieren, wären sie schon bald keine Musiker mehr, sondern vielmehr im Bereich der (Partei-)Politik wiederzufinden. Bono, Sänger der irischen Popgruppe U2, tätigte in diesem Zusammenhang einen Ausspruch, der wie kein anderer die heillose Überforderung der Musiker an der übertriebenen Erwartungshaltung des Publikums wie der Medien aufzeigt: \"Es ist verdammt gefährlich, pausenlos als Sprachrohr einer Generation hingestellt zu werden, wenn man nichts anderes zu sagen hat als \'Hilfe!\' Aber mehr sagen wir mit unserer Musik nicht. Fragt uns nicht pausenlos nach Antworten, wir können sie euch nicht geben. Alles was wir tun können, ist, die richtigen Fragen zu stellen!\" (aus der Biographie - BONO von Dave Thompson Rastatt 1990 S.67) Die Frage ist demnach nicht wie politisch die Populärmusik ist, sondern ob sie politisch ist, und ob sie überhaupt ein geeignetes Medium zur Verbreitung politischer Inhalte darstellt. Letzteres kann wohl eindeutig bejaht werden, liegt doch die Stärke der Popsongs gerade in ihrer \'Kommunikabilität\'. \"Songs can communicate even to those who can\'t read and write and, at their best, can inspire, console, dodge round censors and frontiers, summarize a political mood, or as that most political star of the salsa world, RUBEN BLADES, put it, \'tell people they are not alone\'.\" (aus Robin Denselow - WHEN THE MUSIC\'S OVER London 1990 S.XVI) Die Musiker erkannten schon recht bald, dass sie dadurch zu einer privilegierten Bevölkerungsschicht gehörten; mit ihrer Arbeit konnten sie relativ einfach eine große Zahl von Menschen erreichen. Es war ihnen aufgrund ihrer Popularität daher möglich, einen großen Einfluss auf politische wie gesellschaftliche Entscheidungen auszuüben. Es ist nicht überraschend, dass sich die Musiker in den Anfängen der Popmusik hauptsächlich mit Problemen ihres näheren sozialen Umfelds beschäftigten. Da die Popmusik häufig von jungen Künstlern gemacht wurde, ging die Entwicklung der politischen Popmusik auch mit der Entwicklung der politischen Jugendbewegungen einher. Ihren Ursprung hatte die politische Popmusik daher auch in den 60er Jahren mit dem Aufkommen der Flowerpower-Bewegung. Doch schon zuvor waren Sänger wie Woody Guthrie oder Pete Seeger durch ihre kritische Hinterfragung der modernen Gesellschaftsform maßgeblich an der Entstehung des Political Pop beteiligt. Ihr bekanntester Protagonist aber war Bob Dylan, der Erneuerer des Protestsongs. Mit den Erfolgen von Sängern wie Woody Guthrie, Bob Dylan und eben Pete Seeger, die sich neben dem Thema Krieg auch mit Fragen der Menschenrechte, der Umweltpolitik, der Kernenergie und der Rassentrennung auseinandersetzten, etablierten sich politische Anliegen in der Popmusik zusehends. Interessant an dieser Entwicklung ist, dass die politisch orientierten Musiker und Bands und ihre Botschaften bis heute allgemein dem \'linken\' politischen Lager zugerechnet werden. Tatsächlich haben die politischen Anliegen der Pioniere des Polit-Pop, wie etwa die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und Aufhebung der Klassenschranken, bis heute nicht ihre Bedeutung verloren. Gerade in Großbritannien stoßen diese Themen beim Publikum noch immer auf große Gegenliebe. Bands wie Simple Minds oder U2 sowie Musiker wie Sting und Peter Gabriel haben nicht zuletzt aus diesem Grund großen Anklang beim Publikum gefunden. Trotz der wachsenden Zahl politisch interessierter Musiker wurde der Wirkungsgrad, den die politische Popmusik beim Publikum erreichen konnte, konsequent unterschätzt. In Politikerkreisen wollte man noch bis in die 80er Jahre den engagierten Arbeiten der Musiker keine realpolitischen Auswirkungen zugestehen. Dabei gab es schon damals wahrlich genug Beispiele für politische Änderungen, die durch Popmusiker hervorgerufen wurden. 1982 etwa legte Stevie Wonder anlässlich einer politischen Demonstration vor über 50.000 Menschen in Washington mit seiner Ansprache den Grundstein für die Einrichtung des sogenannten Martin-Luther-King-Feiertages in Amerika, als er meinte: \"... we need a day to celebrate our work on an unfinished symphony, a day for a dress rehearsal for our solidarity.\" Obwohl dieser Feiertag, der erste in den USA überhaupt, der einem Schwarzen gewidmet war, nicht seine Idee war, war es die Popularität Stevie Wonders, der Politiker wie Reverend Jesse Jackson und John Conyers die Durchsetzung dieses Anliegens zu verdanken hatten. Gerade die schwarzen US-Musiker gaben dem Begriff des politischen Pop eine neue Bedeutung. \"The tradition had grown up in the days of slavery, when the blues and gospel provided one uncontrollable outlet for black expression. No one could stop the music in the fields or in the churches, and black America\'s preachers haven\'t forgotten what a powerfull medium a song can be; .... \'Songs\', said Reverend Cecil Franklin, \'have the advantage of being packaged and wrepped in universal appeal. Songs are not limited by natural or human boundaries.\'\" (aus Robin Denselow - WHEN THE MUSIC\'S OVER London 1990 S.XVI) Diese alte Tradition politischer Inhalte in der Musik schwarzer Amerikaner findet heute in der Stilrichtung Rap seine Fortsetzung. Rap-Musik stellt heute zweifellos die wichtigste Form politischer Artikulation der schwarzen Bevölkerung in den USA dar. Ein anderes Beispiel, welch ungeheure Auswirkungen die Arbeiten von Popmusikern auf politischer Ebene haben können, ist zweifellos das Lebenswerk von Bob Marley. Nicht nur, dass es mit der Person Bob Marley zum ersten Mal ein Musiker aus einem Land der Dritten Welt schaffte, sich in der Liga der westlichen Superstars zu etablieren, viele seiner Songs wurden auch zum Symbol einer zukunftsträchtigen politischen Vision. In Großbritannien inspirierte Bob Marley mit seiner Reggae-Musik die Rock-Against-Racism (RAR)- Bewegung, die bis heute als Forum für politische Anliegen musikinteressierter Jugendlicher sehr erfolgreich agiert. Die Stilrichtung der Reggae-Musik fand überhaupt, nicht zuletzt aufgrund ihres bekanntesten Vertreters Bob Marley, in England großen Anklang. Bands wie etwa UB40 oder The Police beschäftigten sich in vielen ihrer Songs mit dieser Stilrichtung. Wenngleich auch der Reggae in der \'weißen\' Popmusik immer mehr von der Stilrichtung zum Stilmittel wurde, besteht durch die Verbreitung dieses Musikstils durch weiße Musiker dennoch die Hoffnung, dass der ursprüngliche politische Charakter dieser Musik nicht zu schnell in Vergessenheit gerät. Live Aid Am 13. Juli 1985 wurde das bis dahin größte Popfestival der Geschichte veranstaltet. Live Aid war ein Benefizkonzert, das durch den Musiker Bob Geldof organisiert wurde, nachdem er einen Fernsehfilm über die hungernde Bevölkerung Äthiopiens gesehen hatte. Nachdem Bob Geldof den Sänger der Band Ultravox, Midge Ure, für die Idee gewinnen konnte, bekundeten immer mehr Musikstars ihr Interesse an diesem Ereignis. Letztlich waren beinahe alle relevanten Popmusiker dieser Zeit bei Live Aid vertreten. Zugunsten der Hilfe für die Menschen verzichteten alle Beteiligten auf ein Honorar. Bis Mitte 1987 hatte das Ereignis etwa 60 Millionen englische Pfund eingebracht. Zum ersten Mal konnte mit Zahlen und Fakten belegt werden, welchen ungeheuren Einfluss Popmusik auf ihr Publikum ausübt. 1988 kam es allerdings mit der Abhaltung des bis heute größten Live-Ereignisses aller Zeiten, dem \"A Tribute To Nelson Mandela\"-Konzert, zu einem der bedeutendsten politischen Manifestationen in der Geschichte der Popmusik. \"The Nelson Mandela Seventieth Birthday Tribute was like a more political version of Live Aid, with the aim of raising awareness rather than just money.\" Songs wie \'Mandela Day\' von den Simple Minds, \'Brothers In Arms\' von den Dire Straits, Tracy Chapmans \'Talking About Revolution\' oder Peter Gabriels \'Biko\' wurden zum Symbol des neuen politischen Verständnisses unter den jugendlichen Hörern. Nach den Erfolgen von Live Aid und A Tribute To Nelson Mandela kam es in der Folge zu einer beinahe inflationären Zahl ähnlicher Ereignisse, sodass sich bald eine große Zahl bekannter Stars gegen eine Überstrapazierung dieser Idee stark machte, um zu vermeiden, dass die politische Botschaft solcher Veranstaltungen zugunsten individueller Promotioninteressen einiger aufstrebender Talente in den Hintergrund geraten könnte. Nicht zuletzt hatte auch die Industrie die Werbewirksamkeit dieser Großveranstaltungen entdeckt, was Ende der 80er Jahre viele bekannte Musikgrößen davor abschreckte, weiter bedenkenlos an jedem dieser Benefizkonzerte teilzunehmen. Als Zeichen politischen Widerstands behielt das Popkonzert jedoch seine ernstzunehmende Bedeutung. Im Falle des \"A Tribute To Nelson Mandela\"-Konzerts war es vielleicht sogar noch mehr, denn zwanzig Monate nach dem Konzert wurde Nelson Mandela aus der Haft entlassen. Das Konzert hatte auf diese Entscheidung zweifelsohne einen nicht unerheblichen Einfluss, signalisierte es doch der Regierung von Südafrika unmissverständlich die Abscheu der gesamten (Pop-)Welt vor der Unmenschlichkeit der Apartheid-Politik. Atomkraftwerkspolitik, Umweltzerstörung sowie die steigende Drogenproblematik sind die neueren Themen des politischen Pops. Themen wie etwa die Drogenproblematik beschäftigen die Musiker heute wahrscheinlich aus zweierlei Gründen besonders. Einerseits weil gerade ihre Branche damit besonders konfrontiert ist, andererseits weil sich ihre jugendliche Hörerschaft aus betroffenen Kreisen rekrutiert. Im Laufe der Entwicklung des politischen Pop kam es auch immer wieder zu Missverständnissen und Vereinnahmungen der Musiker von Seiten einiger politischer Repräsentanten. Ein gutes Beispiel dafür ist die irische Band U2, die nur allzu oft mit der Irisch Republikanischen Armee (IRA) in Verbindung gebracht wurde. Dies nicht zu letzt aufgrund der Tatsache, dass Repräsentanten der IRA immer wieder auf die geistige Nähe einiger U2-Texte zu den Ideen der terroristischen Organisation hinwiesen. Konkreter Anlass für solche Spekulationen war der Song \'Sunday Bloody Sunday\', dessen Text die IRA-Mitglieder als Aufruf zum Widerstand gegen die englischen Besatzer in Nordirland missverstanden. Die Mitglieder der Band bestritten dies mehrmals öffentlich, als die Gerüchte aber nicht verstummen wollten, hielt Bono während eines Konzertes in den USA quasi als Einleitung zu dem Song fest: \"People come up to me and talk about the resistence, the revolution, the glory of the revolution and the glory of dying for the revolution back home. Nobody talks about the glory of killing for the revolution. Where is the glory in bombing members of a state parade and leave them dying and krippled for life, where is the glory in that?\" Damit machte die Band endgültig klar, dass sie nicht für den bewaffneten Widerstand, sondern vielmehr gegen jede gewalttätige Konfliktlösung waren. Auch Bruce Springsteen blieb von einer solchen Vereinnahmung nicht verschont. Sein Hit \'Born in the U.S.A.\', der eigentlich eine kritische Position bezüglich der Rolle Amerikas im Vietnam-Konflikt einnehmen sollte, wurde von den Leuten einfach zu einer amerikanischen Hymne hochstilisiert. Springsteen fühlte sich völlig missverstanden, als sein Song zum musikalischen Symbol der Reagan-Ära gemacht wurde, erachtete er doch selbst den Text als eindeutig. Nach den allgemeinen Gründen für das politische Engagement von Popmusikern befragt, meinte Jim Kerr, Sänger der schottischen Band Simple Minds: \"Wir Musiker haben durch unsere Popularität eine Menge Spielraum für die Artikulation unserer Gedanken, es wäre eine Schande, eine solche Gelegenheit nicht zu nutzen.\" (Quelle: Robin Denselow - WHEN THE MUSIC\'S OVER London 1990 S.277)

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Der Punk ist eine Jugendkultur, die Mitte der 1970er Jahre in New York und London entstand. Charakteristisch für den Punk sind provozierendes Aussehen, eine rebellische Haltung und nonkonformistisches Verhalten. Prägendes Motto für die Punk-Bewegung Ende der 1970er Jahre war der Refrain eines Sex Pistols-Stücks: No Future. Der einzelne Angehörige dieser Subkultur nennt sich ebenfalls Punk (Plural: Punks) oder auch Punk-Rocker; deutsche Bezeichnungen sind auch Punker und für weibliche Punks (selten) Punkette. Herkunft des Begriffs Das Wort Punk ist älter, als oft angenommen wird. Es taucht bereits bei Shakespeare auf, z. B. in Maß für Maß, und bezeichnet eine Prostituierte. Aus einer anderen Bedeutung, faules Holz, ergeben sich weitere durch Übertragung: Punk bezeichnet allgemein etwas Niedriges, Minderwertiges, also Unsinn; auf Personen bezogen Anfänger, unerfahrene Person, Strolch, Kleinkrimineller, Landstreicher oder gar Abschaum, Dreck. Der Gitarrist der Patti Smith Group Lenny Kaye, gebrauchte den Begriff Punk-Rock 1972 in den Erläuterungen einer von ihm veröffentlichten Anthologie des amerikanischen Garagenrocks der 1960er Jahre. Später gründete in New York Legs McNeil ein Fanzine namens Punk Magazine. Der Punk-Veteran Donny the Punk hat erklärt, dass das Wort Punk von einem Slangausdruck für Vergewaltigungen im Gefängnis kommt („I punked that kid“). Ein „Punk“ ist in diesem Zusammenhang das Opfer. Nach Großbritannien gebracht wurde der Begriff „Punk Rock“ für junge englische Rockbands wie die Sex Pistols, The Clash und The Damned durch die Musikjournalistin Caroline Coon, die damalige Freundin von Paul Simonon, dem Bassisten von The Clash. Vorher war in England für diese Art von Musik der Begriff „Working Class Rock ’n’ Roll“ geläufig. Geschichte Die Ursprünge in den USA Das CBGB in New York Der Ursprung des Punks liegt in den späten 1960er Jahren. Punk war vor allem eine Reaktion auf die Hippie-Bewegung. Er richtete sich gegen den friedvollen Idealismus und Optimismus der Hippies. Demgegenüber gab sich der Punk illusionslos und setzte auf offene Ablehnung und Brüskierung der Gesellschaft. Die Entstehung der Punkbewegung ist eng verknüpft mit der gleichnamigen Musikrichtung. Welches die erste Punkrock-Band war, ist umstritten. Genannt werden in dem Zusammenhang The Sonics, die Ramones, The Stooges, die New York Dolls, MC5, gelegentlich auch Patti Smith. Alle diese Bands kommen aus den USA. Als Zentrum des ursprünglichen amerikanischen Punks gilt der Club CBGB in New York. Die frühen Punkbands spielten eine rohe und ungeschliffene Art des Rock, ähnlich dem frühen Beat und Rock ’n’ Roll. In der öffentlichen Wahrnehmung hingegen dominierten Bands wie Pink Floyd, Genesis, Emerson, Lake & Palmer oder Led Zeppelin, bei denen alles perfektioniert war, die für jede Platte und für jedes Konzert ein enormen Aufwand betrieben und jede Einzelheit genauestens planten. Aus der Sicht einer rebellischen Jugend verkörperten diese Gruppen bestenfalls Stillstand, wenn nicht den Ausverkauf an „das System“. Hinzu kam, dass die U-Musik Mitte der 1970er unter den Einfluss der Discokultur geriet, die aus der Sicht einer rebellischen Jugend oberflächlich, kommerziell und verlogen war. Dagegen stand der Punk für schnelle, kurze und einfache Songs. Stilistisch handelte es sich meist um eine primitive Form des Rock ’n’ Roll. Langsame und gefühlvolle Lieder (Balladen) gab es nicht. Die Texte bestanden hauptsächlich aus Betrachtungen über das (eigene) Leben und Leiden als Jugendlicher, aus Anklagen und Beschimpfungen, oder auch aus reinem Dadaismus. Die Geburt der Bewegung in Großbritannien Auch wenn die ersten Bands aus New York kamen – zu einer echten Bewegung wurde der Punk in London. Charakteristisch für die Punkbewegung war einerseits eine gegen das politische Establishment (auch gegen die Linke), gegen die Musikindustrie und gegen bürgerliche Lebensweise gerichtete Haltung. Andererseits gehörte von Anfang an auch eine radikale Selbstvermarktung zum Punk, vor allem durch die Sex Pistols und ihren umtriebigen Manager Malcolm McLaren. Soziologisch betrachtet entstand die englische Punk-Bewegung aus einem apolitischen Groll, den viele Jugendliche gegenüber sämtlichen Institutionen empfanden. Grundlage dafür waren mangelnder Halt durch die Schulen und mangelnde Aussichten im Berufsleben, bedingt durch die Wirtschaftskrise und das steife englische Klassensystem. Die Jugendlichen, die den Hauptanteil der Bewegung ausmachten, fühlten sich ausgeschlossen und betrogen um die Dinge, die ihnen erstrebenswert vorkamen: modische Kleidung, die neueste Musik, oft sogar schon der Konsum von Getränken in Gaststätten. Ihre Antwort hieß Eigenproduktion – Eigenproduktion der Kleidung (notfalls aus dem Altkleidercontainer), Eigenproduktion der Musik (notfalls mit gestohlenen Instrumenten, wie bei den Sex Pistols) und auch des Musikvertriebs. Unvollkommenheit wurde dabei nicht nur in Kauf genommen, sondern angestrebt. Man kokettierte damit, dass man nur drei Akkorde auf der Gitarre beherrschte (gemäß einer Zeichnung einer Drei-Akkord-Folge mit dem Text: „this is a chord, this is another, this is a third. Now form a band“ in einer 1977er-Ausgabe des wegweisenden Fanzines Sniffin’ Glue); Gitarrensoli und jede Form von Virtuosität waren als „Star-Gesten“ verpönt. Man war nicht der Auffassung, dass Kritik auch konstruktiv sein müsse. Ein beliebtes Schlagwort war „boredom“ – Langeweile. Im Mittelpunkt stand die eigene Subjektivität, das eigene Leiden am Zustand der Welt, das sichtbar gemacht und so gegen sie gewendet werden sollte. Die Arbeiterbewegung und die Neue Linke wurden ebenso abgelehnt wie das herrschende System. Grundsätze des Punks waren: Verschwende dich selbst, glaube niemandem, do it yourself, stelle Autoritäten und Stars in Frage. Aus einer als provokant empfundenen Szene heraus entstand eine Gegenkultur mit eigenen Ausdrucksformen: Hässlichkeit als Programm, zerfetzte Kleidung (oft Unterwäsche), Sicherheitsnadeln im Gesicht, mit Kopiergeräten billig hergestellte Zeitschriften (Fanzines), aber auch spontane dadaistische Aktionskunst, exzessiver Konsum von Alkohol und anderen Drogen. Von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde die entstehende Punk-Kultur in England, als die Sex Pistols mit ihren Singles Anarchy in the UK (1976) und God Save the Queen (1977) Aufsehen erregten. In kurzer Zeit entstand eine Unzahl neuer Bands. Als die wichtigsten Bands dieser Zeit gelten: * Sex Pistols (die bei weitem bekannteste Punkband), * The Clash (die musikalisch einflussreichste Punkband), * The Damned (die erste Fun-Punk-Band), * The Slits (eine der wenigen Frauen-Punkbands), * The Stranglers (eine der wenigen Punkbands mit Keyboard) und * Crass (ein radikal antikommerzielles und politisches Projekt). Schon damals teilte sich die Punk-Bewegung in viele Richtungen wie Anarcho-Punk, Oi!/Streetpunk, Ska-Punk, Fun-Punk und Skatepunk. Parallel zum Entstehen des Punks entwickelte sich der musikalisch ebenso radikale Industrial mit Vorreitern wie Throbbing Gristle, Cabaret Voltaire und SPK. Die frühen 1980er Jahre Anfang der 1980er Jahre verbreitete sich der Punk über die ganze Welt, und es entstanden verschiedene Punk-Szenen in fast allen Ländern Europas, Amerikas und Ostasiens, insbesondere auch in den kommunistischen Staaten des Ostblocks. Zugleich wurde der Punk ernsthafter, aggressiver und in gewissem Sinne politischer. Ein populärer Slogan der damaligen Punkbewegung heißt „No Future“ – keine Zukunft. Es war die Zeit des kalten Krieges, in denen viele Menschen einen Atomkrieg befürchteten. Auch das neu erwachte Umweltbewusstsein verursachte in der westlichen Welt einige Zukunftsängste bis hin zur Weltuntergangsstimmung. Ronald Reagan, Margaret Thatcher und Helmut Kohl standen für eine konservative Politik, die sich von den die 1970er Jahre prägenden Ideale der 68er-Bewegung abwandt. Konservative Werte gewannen wieder an gesellschaftlichen Zulauf („Leistung soll sich wieder lohnen“). Karriere zu machen, galt der Jugend als erstrebenswertes Ziel. Gleichzeitig herrschte aber Massenarbeitslosigkeit. Die 68er traten den Jugendlichen nun als Lehrer und Beamte gegenüber und verkörperten damit „das System“. Dagegen setzten die Punks auf totale Verweigerung. In den 1980er Jahren war Punk die dominierende Kultur in den meisten autonomen Zentren. Die Chaostage in Hannover waren von 1982 bis 1984 ein fester Treffpunkt der Szene. Wichtige Bands dieser Zeit sind: * in den USA Black Flag und die Dead Kennedys, * in Großbritannien The Exploited und * in Deutschland Slime. Seit Anfang der 1980er Jahre bezeichnete man mit dem Begriff „New Wave“ unterschiedliche musikalische Strömungen, die sich aus dem Punk heraus entwickelten. Die deutschsprachige Variante der New Wave war die Neue Deutsche Welle. Als besonderes Merkmal dieser Zeit galt der verstärkte Einsatz von elektronischen Instrumenten, vor allem Analogsynthesizern und Drumcomputern. Mit dem Aufkommen der Digitaltechnik in der Mitte der 1980er waren viele Geräte sowohl klanglich als auch preislich interessant geworden. Die ersten Vertreter dieser Szene entstammten der Punk-Szene oder standen ihr zumindest nahe, aber sehr bald entdeckte die Musikindustrie den Trend und schickte eigene Bands ins Rennen. Wichtige Bands dieser Zeit sind: * in den USA Blondie, Iggy Pop und die Talking Heads, * in Großbritannien The Smiths, The Cure, Siouxsie & the Banshees und Billy Idol, * in Deutschland Fehlfarben und DAF. Mit dem kommerziellen Erfolg der New Wave wurde der Punk beinahe gesellschaftsfähig und insofern Teil des Establishments. Das stürzte die Punk-Bewegung, die sich stets über die Abgrenzung vom Establishment definiert hatte, in eine tiefe Krise. Dass eine subversive Bewegung wie der Punk von der Mode vereinnahmt werden konnte, wirkte in den frühen 1980ern auf manchen Punk verstörend. Malcolm McLaren und die Sex Pistols hatten allerdings immer darauf beharrt, dass es sich bei der ganzen Angelegenheit um einen bewusst inszenierten Medienrummel („The Great Rock ’n’ Roll Swindle“) handelte. Die kommerzielle Verwertung einer Haltung, die alles ablehnt, ist insofern konsequent, als damit auch die Rebellion selbst ad absurdum geführt wird. Einen Versuch, den Geist des Punks zu bewahren, bildete die Hardcore-Bewegung, die Anfang der achtziger Jahre entstand. Als wichtigste Bands gelten Agnostic Front, Dead Kennedys, Black Flag, Minor Threat und Sick of It All. Punk als eine Mode unter vielen In den späten 1980ern gehörte der Punk dann zum selbstverständlichen Straßenbild in Europa. In London ließen sich besonders gestylte Punks zusammen mit Touristen fotografieren. Selbst in Kinderbüchern und in der Fernsehserie Lindenstraße tauchten Punks auf. Mit massenkompatiblen Bands wie Die Toten Hosen und Die Ärzte war Punk zum Teil des Mainstreams geworden und wurde entsprechend verkauft. Der Punk hatte sich von einer anfangs unpolitischen Haltung über eine radikale politische Bewegung zu einer von vielen gesellschaftlichen Gruppen entwickelt. Viele Leute sind der Ansicht, dass alle Punks, die nach der ersten Welle kamen, nur noch modische Nachahmer waren und das Anliegen der ursprünglichen Punkbewegung und die im Punk verkörperten radikalen Ansichten (z. B. Anarchie) gar nicht mehr erfüllen können. Viele Punks wandten sich deshalb anderen Strömungen zu, etwa der Antifa, den Autonomen, den Hausbesetzern und der Ökologiebewegung. Musikalisch traten an die Stelle des Punks etwa die Hamburger Schule, die elektronische Musik (Atari Teenage Riot), der Gothic Rock und vor allem der Grunge, der in den 1990ern von Bands wie Nirvana und Pearl Jam vertreten wurde. Es folgten Bands wie Green Day, The Offspring und Red Hot Chili Peppers. Diese Bands äußerten sich teilweise auch politisch, stellten aber oft den Spaßaspekt in den Vordergrund. Sie alle waren mit Video-Clips auf MTV vertreten. Das Neue, das Radikale, was den Punk einst ausgemacht hatte, fehlt ihnen. Punk heute Dennoch existiert auch heute noch in den Groß-, und Kleinstädten und auch in manchen Dörfern aller Industrieländer eine sehr lebendige Untergrund-Szene, die weiterhin eine Anti-Haltung pflegt. Diese besteht jedoch aus verschiedensten Richtungen, die sich aus dem traditionellen Punk entwickelt haben, beispielsweise die sich als unpolitisch bezeichnende Oi!-, die Hardcore- und die Anarcho-Punk-Szene. Unabhängig von dieser Unterscheidung ist Punk auch der gewählte Lebensstil vieler jüngerer Obdachloser in ganz Europa. So genannte Straßenpunks werden meist nicht in den offiziellen Obdachlosenstatistiken der Kommunen geführt, da sie sich zumindest für einen gewissen Zeitraum bewusst für eine solche fahrende Lebensweise entschieden haben und sich auch nicht um kommunale Erfassung, Hilfe oder Vermittlung bemühen. Sie gehören aber in fast jeder europäischen Großstadt zum üblichen Straßenbild und vermischen sich dabei mit anderen Punks mit durchaus festem Wohnsitz, mit denen sie gemeinsam \"abhängen\". Generell kann festgehalten werden, dass Punk heutzutage keinesfalls mehr eine einheitliche, homogene Subkultur darstellt. So besteht gerade zwischen politisch motivierten Punks und sogenannten Oi!-Punks bisweilen sogar eine gegenseitig eher ablehnende Haltung. Diese Aufsplitterung von Jugendkulturen ist allerdings ein Prozess, der sich spätestens seit den 1990er Jahren als typisch für jeden Jugendstil erwiesen hat. Dazu gehört der Crossover verschiedener Musik- und Kleidungsstile, sowie die Aufsplitterung eines solchen Stils in verschiedene Subgenres. Auch relativiert die Verbreitung eines Stils natürlich den Alleinvertretungsanspruch jeder Bewegung, die diesen Stil einst für sich reklamierte. Vor allem aber findet dieser Mischprozess im ganz normalen Zusammenfinden von Jugendlichen in den Parks und auf den Plätzen europäischer Kleinstädte statt, die als Hippies, Mods, Punks, Antifas, Skater, Skins, Rastas, Rockabillies, Grufties oder Metaller versuchen, dem Mainstream in der Provinz zu entkommen. Auch auf der künstlerischen Ebene findet dieser Prozess statt: Ehemals klassische Punkbands nehmen Elemente aus anderen Stilen in ihre Musik auf. Metal-, Folk- oder Elektroprojekte aus dem Untergrund, aber auch Popmusiker aus dem Mainstream bedienen sich der \"rohen\" und \"spontanen\" Energie, die sie in Punkrock-Riffs oder in einem extravaganten Nasenpiercing auszumachen meinen. Für viele europäische und amerikanische Weltmusik- bzw. Folkbands etwa ist der Punk die einzige Ausdrucksmögichkeit, in der sich traditionelle musikalische Themen und ein modernes Lebensgefühl miteinander verbinden lassen (vgl. etwa The Pogues, The Gun Club, Leningrad, Gogol Bordello oder Balkan Beat Box). Vermischung und Aufsplitterung des Punk sind hier also keinesfalls als Zeichen seiner Auflösung misszuverstehen. Natürlich gibt es gerade in solchen Prozessen immer wieder Versuche einiger, sich selbst als Originalpunk oder Altpunk zu stilisieren (das können inzwischen natürlich nur noch ältere Menschen von sich behaupten), oder die Reinheit und Unverfälschtheit des eigenen Musik-, Kleidungs-, Freizeit- und Lebensstils gegenüber einem so wahr genommenen „Kommerzpunk“ zu betonen. Gerade kommerziell erfolgreich Rockbands wie z.B. Green Day oder blink-182, die mit Stilelementen des Punk kokettieren, eignen sich für eine solche Abgrenzung besonders und bieten sich insofern als identitätsstiftendes, gemeinsames Feindbild für all jene Richtungen des Punk an, die sich selbst als Untergrundkultur betrachten. Punk in Deutschland Ende der 80er Jahre drang Punk zunehmend auch in den Mainstreambereich vor. Wegweisend waren dabei vor allem Die Toten Hosen und Die Ärzte. Beide Bands sind kommerziell sehr erfolgreich und sind regelmäßig mit Videos auf MTV vertreten. Aus diesem Grund werden sie jedoch oft von der Punkszene abgelehnt. Weitere wichtige deutsche Punkbands sind Slime und Die Goldenen Zitronen aus Hamburg, Feeling B, Rosa Extra aus Ost-Berlin, Daily Terror aus Braunschweig und WIZO aus Sindelfingen. Punk in Japan Zu Beginn der 1980er schwappte die Punkwelle auch nach Japan. Nachdem anfangs vor allem der britische Punk kopiert wurde, entwickelte sich bald eine recht eigenständige Szene. Schon in der ersten Hälfte der 1980er Jahre gründeten sich zahlreiche Bands der verschiedensten Stilrichtungen, so dass die spätere Bezeichnung „Japcore“ nur als sehr verallgemeinernd anzusehen ist. Die stilistische Bandbreite reicht von recht experimentellem Punkrock (z. B. G.I.S.M.) über eher klassischen Punkrock („Laughin Nose“, „Comes“, „Lipcream“) bis hin zu Hardcore Punk („Gauze“, „Kuro“). Wie in Europa ist auch in der Punkszene in Japan der Antiamerikanismus stark ausgeprägt. Typisch für die japanische Punkszene ist die Verwendung von Kennzeichen und Namen aus Diktaturen, insbesondere des Stalinismus und des Nationalsozialismus. Eine Eigenheit der japanischen Punkszene ist der Hang zum Sexismus, ausgeprägt in Bandnamen wie GISM (vulgo: Wichse, Masturbation), in Titeln wie „onanism“ und besonders in Textpassagen wie „\'woman are shit fuck it“ oder „I\'m big Prick perfect Prick“. Im Kleidungsstil ist die japanische Szene uneinheitlich, die Bandbreite reicht vom europäisch beeinflussten Stil über Stilformen, die eher aus den Bereichen Heavy Metal oder Skinheads kommen, bis hin zu Fantasiestilen, die oft eine Mischung der vorgenannten sind. Der japanischen Punkszene wird eine Verbindung zu Motorradgangs und zum organisierten Verbrechen nachgesagt. Szenetypische Erscheinung Obwohl Punk als Idee gerade gegen Normen und für Individualität eintritt, hat sich seit den 1980er Jahren ein typisches Erscheinungsbild herausgebildet, das innerhalb der Szene vorherrscht, auch wenn es keinesfalls verpflichtend ist. Die Kleidung früher britischer Punks war ein Ausdruck der Ablehnung der Mainstream- sowie der Hippie-Kultur und zeichnete sich dadurch aus, dass normale Alltagsgegenstände zweckentfremdet und als Kleidungsstücke und Schmuck verwendet wurden (z. B. Sicherheitsnadeln oder Hundehalsbänder), und stellte somit eine Anti-Mode dar. So trugen Punks in den Anfangsjahren 1976/77 zerschlissene Anzüge mit Sicherheitsnadeln und Ansteckern (Buttons), dazu Creepers, auffällige Socken und Sonnenbrillen. Oft fanden auch Hakenkreuze zum Zwecke der Provokation insbesondere der Vorgängergeneration damals Verwendung. Unter dem Jackett trug man individuelle, selbstgestaltete T-Shirts, oft zerrissen, oder auffällig gestaltete Hemden. Ungefähr seit Mitte der 1980er Jahre gehören zum Punk folgende Merkmale: Frisuren Irokesenschnitt und Piercings Typisch für den Punk sind abstehende, oft auch auffällig gefärbte Haare. Sehr beliebt ist der Irokesenschnitt (kurz „Iro“ genannt), also ein Haarkamm von der Stirn zum Nacken mit rasierten Seiten. Manchmal sieht man auch Punks mit zwei oder mehr Irokesen-Kämmen nebeneinander. Körperschmuck Piercing war in der Punkszene von Anfang an verbreitet. Schon in den 1970er Jahren trugen Punks durch die Haut gestochene Nasenringe und Sicherheitsnadeln als Schmuck. Ferner gab es Gesichtsbemalungen und dunkel oder farbig geschminkte Augen und Wangenpartien – nicht nur bei weiblichen Punks. Auch Tätowierungen sind recht häufig. Besonders extreme Formen von Piercings und Tattoos finden sich bei der Szeneströmung der Fetischpunks. Kleidung Typische Kleidungsmerkmale des Punks sind: * Nieten auf Jacken, Gürteln, Arm- und Halsbändern, oft spitz geformt * Reißverschlüsse an unüblichen Stellen, insbesondere Bondagehosen * Anstecker (Buttons), Aufnäher und Sicherheitsnadeln, silberne Metallketten * Lederjacken, bemalt mit Symbolen, Bildern, Sprüchen wie Bandlogos und teils in Runenschrift (Siegrune in Anlehnung an die SS) gehaltenen Parolen * Uniformteile, Patronengurte und Militaria * in der frühen Punkszene Hakenkreuze, später auch antifaschistische Symbole * karierte Hosen, (enge) Hosen, Jeans, oft gebleicht (Domestoshose) * Schottenröcke (Kilts) und andere Kleidungsstücke mit Schottenkaros (Tartan), meist Bondagehosen * Netzhemden und Netzstrümpfe * Zebra-, Tiger- oder Leopardenmuster * zerrissene, bemalte, beschriftete, oder anderweitig veränderte Kleidung * Schnürstiefel (Rangers) oder Schuhe der Marke Dr. Martens Die zunehmende Differenzierung der Punk-Szene ab den 1980er Jahren brachte jedoch auch Subkulturen hervor, auf die die obigen Merkmale nicht oder nur in geringem Maße zutreffen, so beispielsweise den Hardcore Punk und den Oi!. Punk in der Theorie und als Lebensgefühl Der Punk stellt sich gegen alle Konventionen, gegen die Konsumgesellschaft und gegen das Bürgertum sowie gegen rechte Weltanschauungen. Und obwohl sich die meisten Punks mehr oder weniger links sehen, stellt er sich genauso gegen die politische Linke mit ihrem Etatismus. Dahinter steckt eine respektlose, resignierte bis aggressive Haltung gegenüber der Gesellschaft, eine Art rebellischer Nihilismus, und die Betonung der Freiheit des Individuums und des Nonkonformismus. Der Punk bringt sich vor allem durch Musik zum Ausdruck, ferner durch Kleidung, Frisuren und vom Do-it-yourself-Gedanken geprägter Grafik (Collagen, Xerographien und Comic-Zeichnungen). Der Punk betont das Hässliche und will provozieren; so stellen viele Fanzine- und Schallplattencover deutlich soziale Ungerechtigkeiten, wirtschaftliche Ungleichheit und Leid, Selbstsucht, Apathie, dystopische Visionen und andere Bilder, die die Ablehnung des Betrachters provozieren sollen, dar. Typischerweise drückt Punk eine gleichgültige Haltung gegenüber sich selbst aus; so erklärt sich auch die ungesunde Lebensweise vieler Punks. Es gibt aber auch andere Tendenzen in der Punk-Szene, bis hin zur Veganer- und Straight-Edge-Bewegung. Einige der frühen Punkmusiker studierten an Kunsthochschulen und kannten ältere radikale Avantgarde-Konzepte. Andere waren aus kleinen Verhältnissen stammende Arbeitslose oder Arbeitsverweigerer, die alles zurückwiesen, was es an Kultur und Sinnstiftung zuvor gegeben hatte. Mit ihrem provozierenden Auftreten stießen die Punks in der Gesellschaft auf Unverständnis, Ablehnung und sogar Hass. Andererseits wurde Punk aber auch zu einer Art Popkultur. Dieser Widerspruch ist bis heute kaum befriedigend erklärt. Punk und Situationismus Nach Auffassung von Greil Marcus ist Punk untrennbar verknüpft mit dem Situationismus der 1960er Jahre. Auch Malcolm McLaren, Mentor der Sex Pistols und damit einer der Hauptprotagonisten des frühen Punk, wollte dies gerne als den Ausgangspunkt der Bewegung ausgeben. Aber der Situationismus ist gefärbt durch politische Ziele des Sozialismus und Anarchismus. Der Punk hingegen hat keine einheitlichen Ziele, auch keine politischen Ziele. Dass zwischen dem Situationismus und dem Punk kaum eine Verbindung besteht, belegen auch zwei Werke, die als zuverlässige Quellen für die frühe Punkbewegung Londons gelten, weil sie aus dem persönlichen Umfeld der Protagonisten stammen: das Buch „Sex Pistols - The Inside Story“ von Fred und Judy Vermorel und die Autobiographie No Irish, No Blacks, No Dogs von Johnny Rotten, dem Frontmann der Sex Pistols. Laut Johnny Rotten war einer der Hauptgründe für das Punk-Phänomen der 1970er der Protest gegen das Klassensystem und die Chancenungleichheit, die die Jugendlichen der Punkszene dazu motivierte, über Klassengrenzen hinweg füreinander einzustehen – gegen die Welt der Erwachsenen. Punk und Politik Der Punk propagiert oft die Anarchie. So traten Punks wie Steve Jones, Paul Cook und Sid Vicious für den Anarchismus ein. Damit ist jedoch oftmals keine ernsthafte politische Perspektive im Sinne anarchistischer Theoretiker wie Proudhon und Bakunin gemeint, sondern nur die denkbar radikalste Ablehnung der herrschenden Verhältnisse, was sich an der gemeinsamen und oft sinngleichen Verwendung der Begriffe „Anarchie“ und „Chaos“ zeigt, beispielsweise bei Bands wie The Exploited. Oftmals zeigt sich eine Nähe zum Nihilismus. Ein extremes Beispiel stellt hier der 1993 verstorbene GG Allin dar. Trotzdem verstehen sich viele Punks als politisch links. Jello Biafra, der Sänger der Dead Kennedys, ist aktives Mitglied der United States Green Party. Anarchistische Bands wie Crass, Conflict oder Zounds und deren Anhänger verstehen Punk als Kampf gegen das herrschende System, insbesondere gegen die Konsumgesellschaft, gegen Institutionen aus Politik, Wirtschaft und Kirche. So lebten die Mitglieder der Band Crass in einer Kommune als Selbstversorger auf einem Bauernhof. Für ihre Tonträger und für den Eintritt zu ihren Konzerten verlangten sie nur die Selbstkosten. In ihrem Bestreben, in jeder Beziehung selbstbestimmt zu leben, lehnten sie den Verzehr von Fleisch ebenso ab wie den Konsum von Drogen. In einem ihrer Songs heißt es: „They say that we were trash - well, the name is Crass, not Clash“, also: „Sie sagen, wir sind Müll – gut, [aber] wir heißen Crass, nicht Clash (bezogen auf die durchaus politische, aber auch kommerziell erfolgreiche Band The Clash).“ Oftmals sind solche Bands elitär und sehen sich als die „echten“ Punks an. Andere wiederum sehen politisches und moralisches Predigertum als unvereinbar mit der Idee des Punk; in ihren Augen handelt es sich bei diesen vermeintlich „echten Punks“ in Wahrheit um „verkleidete Hippies“. Speziell Parteipolitik wird innerhalb der Punkszene abgelehnt. Äußerungen zu politischen Geschehnissen und sozialen Problemen finden sich dennoch auch in den Texten zahlreicher sich als unpolitisch verstehender Bands. Sozialistische Elemente zeigen sich bei Bands wie The Clash und im „Working-Class“-Bewusstsein früher Oi!-Bands. „Chaos“- und Anarcho-Punkbands stehen sich aufgrund ihres unterschiedliches Verständnis von Anarchie teils kritisch gegenüber; so äußerte sich Wattie Buchan von The Exploited abfällig über die Band Conflict. Wenngleich die Punkszene größtenteils unpolitisch bis linkspolitisch geprägt ist, existiert neuerdings eine Strömung namens Conservative Punk, der allerdings nur ein kleiner Teil der Szene angehört. Angehörige dieser Strömung rechnen sich zwar dem Punk zu, sehen sich aber als rechtskonservativ und lehnen sowohl linke Ideologien als auch Anarchismus ab. Ex-Misfits-Sänger Michale Graves sagte, er glaube, dass der DIY-Lebensstil das Äquivalent der Punkszene zum Thatcherismus darstelle. Während des US-Wahlkampfs 2004 versuchten Angehörige dieses Spektrums, Teile der Punkszene zur Wahl George W. Bushs zu bewegen; umgekehrt versuchte NOFX-Sänger Fat Mike über seine Seite punkvoter.com und sein Samplerprojekt Rock Against Bush, zur Wahl des Gegenkandidaten John Kerry zu bewegen. Beide Lager stießen in der Punkszene auf Kritik, da diese Parteipolitik unterstützten. Darüber hinaus existiert eine neonazistische, als Nazipunk bezeichnete Randströmung, die von der übrigen Punkszene ebenso wie die Conservative Punks als mit dem Selbstverständnis der Punks unvereinbar angesehen wird. Zur politischen Praxis aktiver Punks gehört die Teilnahme an direkten Aktionen wie Demonstrationen und Boykotts. In manchen Fällen schließt dies auch Gewalt ein. Es kam auch schon zu Angriffen auf Tankstellen und Tierversuchslabore. Das Versehen von Plakatwänden mit politischen Parolen (beispielsweise veränderte Wahlplakate bei Wahlkämpfen) sowie Hausbesetzungen werden ebenfalls oft von Punks mit durchgeführt. Ein Beispiel in Deutschland für eine aus der Punkbewegung heraus entstandene politische Aktionsgruppe war Freizeit 81 in München. Gehackte Computer sind eine neuere Form der Sabotage, die betrieben wird. Diese Aktionen haben zum Ziel, soziale Änderungen zu bewirken, wenn das Gefühl entstanden ist, dass andere Wege sich als ineffektiv erwiesen haben. Punk und Religion Der Punk lehnt organisierte Religion ab. Provokation durch blasphemische Symbole oder Liedtexte ist jedoch seltener anzutreffen. Es existieren jedoch religiöse Splittergruppen in einigen aus dem Punk entstandenen Subkulturen; so sind im Metalcore-Bereich viele christliche Bands zu finden. Innerhalb der Straight-Edge-Bewegung wurde Hare Krishna populär, nachdem Ray Cappo, der auch als Ray of Today bekannte Sänger der Band Youth of Today, sich dieser religiösen Bewegung zuwandte; dies äußert sich auch bei Cappos späterer Band Shelter. Punk und Emanzipation Bei Punk-Konzerten dominieren im Publikum meistens die Männer. Obwohl die Punk-Szene sich als progressiv gibt und die Gleichberechtigung der Geschlechter folglich einen hohen Stellenwert hat, herrscht auch unter den Aktiven der Szene ein ungleiches Geschlechterverhältnis: Bands und Fanzines werden überwiegend von Männern betrieben. Um dem Machismo etwas entgegenzusetzen, der vor allem gegen Ende der 1980er Jahre in der Punk-/Hardcore-Szene wiedererstarkte, bildete sich die Riot-Grrrl-Bewegung, in der Frauen und Mädchen sehr aktiv und engagiert als Veranstalterinnen, Urheberinnen von Labels, Autorinnen von Fanzines und besonders als Musikerinnen auftraten. Do it yourself Um ein höheres Maß an Freiheit und weitgehende Unabhängigkeit von äußeren Einflüssen zu erlangen, gründen einige Punks eigene Plattenlabel, organisieren ihre Konzerte meist selbst und bringen eigenen Magazine (Fanzines) heraus. Auch gestalten Punks ihre Kleidung oft selbst. Auch Hausbesetzungen und darin entstehende autonome Jugendzentren können als DIY gesehen werden. Das Motto „Hasst nicht die Medien, werdet die Medien“ wird mit der DIY-Bewegung assoziiert. Viele der ersten Punkbands waren auf Major-Labels unter Vertrag, mit denen sie schlechte Erfahrungen machten; bspw. versuchte Teldec, der Band Big Balls and the Great White Idiot ein Naziimage zu verleihen. Um dies zu vermeiden, wurde ein Netzwerk an unabhängigen Labels großgezogen, mit denen man die Musikindustrie umgehen konnte. Bands, die bei Major-Labels unterschreiben, wird vorgeworfen, ihre Ideale verraten zu haben. Z. B. Anti-Flag argumentieren allerdings damit, dass es ihnen nur durch Major-Labels möglich sei, ihre Botschaft an eine breite Öffentlichkeit zu bringen. Verhältnis zu anderen Subkulturen Die Verhältnisse zwischen der Punk- und anderen Subkulturen sind oftmals von der jeweiligen Splittergruppe abhängig. Überschneidungen ergeben sich meist durch musikalische Interessen oder ähnliche ideologische Ansichten. Da der Punk eine Gegenbewegung zu den als verlogen empfundenen Hippies entstand, wird diese Subkultur insbesondere von traditionellen und Oi!-Punks offenkundig abgelehnt. In diesem Zusammenhang wird auch Cannabiskonsum von Teilen der Szene abgelehnt. Dennoch existieren auch Überschneidungen, besonders bei jüngeren Generationen, für die die Ablehnung der Hippies durch traditionelle Punks teils bedeutungslos ist, politisierteren Punks und in der Hausbesetzerszene; so rebellierte Penny Rimbaud vor seiner Hinwendung zum Punk als Hippie gegen die Gesellschaft, und die Mitglieder seiner Band Crass lebten ähnlich wie Hippies in Selbstverwaltung auf einem Bauernhof. Wenngleich Faschismus als autoritäre Ideologie abgelehnt wird (außer von Nazipunks), spalten sich die Meinungen in Bezug auf Antifa-Gruppen; insbesondere unter Oi!-Punks ist die Antifa verpönt, politisiertere Punks hingegen neigen eher zu Antifa-Arbeit oder ihrer Unterstützung. Überschneidungen zur Skinhead-Szene sind hauptsächlich bei Oi!-Punks zu finden, wohingegen politisch aktive Punks dieser aufgrund ihrer meist unpolitischen Haltung skeptisch gegenüberstehen. Weiterhin besteht ein freundschaftliches Verhältnis zu Teilen der Gothic-Kultur, insbesondere zur Batcave-Szene, die der Punk-Bewegung sowohl musik- als auch outfit-bezogen am nächsten liegt. Kritik Die Ideologien des Punks wurden sowohl von außen, als auch von der Szene selbst kritisiert. Crass z. B. schrieben Songs wie „White Punks on Hope“, der Joe Strummer von The Clash Ausverkauf und Verrat an seinen Prinzipien vorwarf, sowie auch den Song „Punk is Dead“, welche die gesamte Szene angriff. Der Dead Kennedys Frontman Jello Biafra beschuldigte Maximum RocknRoll des „Punk-Fundamentalismus“, als diese ablehnten für Alternative Tentacles Records zu werben, weil sie der Meinung waren, es sei kein Punk. Eine weitere Kritik kam von den „Conservative Punks“, die der Ansicht sind, dass die heutigen Punks nur noch Hippies mit Iros seien. Diese werden jedoch aufgrund ihrer rechtskonservativen Einstellung und ihrer parteipolitischen Aktivität in der Regel nicht als Punks anerkannt (siehe Abschnitt „ Punk und Politik“). Von außerhalb wurde Punk u.a. von Jim Goad kritisiert, der in seinem Essay „The Underground is A Lie!“ behauptete, dass viele Punks nur Heuchler seien. Er schreibt darin, dass viele sich benähmen, als seien sie arm, während sie verschwiegen, dass sie aus der Mittelschicht stammten. In „Farts from Underground behauptet er, durch DIY sei niemals irgendetwas eigenes neues produziert worden, und dass es schlechte Qualität erlaube, als klasse dargestellt zu werden. Des Weiteren behauptet er, dadurch, dass Punk so politisch und propagandistisch geworden sei, sei die Punk-Subkultur langweiliger als der Mainstream geworden und auch, dass Punk mittlerweile veralteter und zurückgebliebener sei, als der Mainstream gegen den er sich richte. Manche kritisieren DIY auch als eine Form, die nur denen möglich ist, die auch das Geld dafür haben, da es Menschen mit wenig Geld gar nicht möglich sei ein eigenen Label hochzuziehen, oder die Zeit dafür zu finden, sich ihre eigenen Klamotten zu machen. In ihrem Buch „The Rebel Sell: Why the culture can’t be jammed“ behaupten Joseph Heath und Andrew Potter, die Politik der Gegenkulturen sei gescheitert und das Verständnis des Punk von Gesellschaft fehlerhaft. Alternative und Mainstream-Lebensstile hätten dieselben Werte, das kapitalistische System suche nicht die Konformität, stattdessen trieben die aus sozialen Unterschieden resultierenden Kräfte und der stetige Konkurrenzkampf den Markt an. Weitere Kritik kommt von der Gruppe Aristasia, eine rein weibliche Subkultur, die Teil der traditionellen Schule der Philosophie ist. Von ihnen wird behauptet, dass Punk nichts anderes mache, als den Leichnam des Establishments zu treten, da dieses schon seit 1965 nicht mehr existiere. Sie bezeichnen es als „Die Doktrin des Pappkameradenfeindes“ und behaupten, je mehr die Punks gegen den Status Quo rebellierten, desto mehr würden sie ein Teil davon. In einem Interview mit einem Fanzine, sagte deren Medienbeauftragte Marianne Martindale, wenn man sich selbst als nichtkonform bezeichne, ordne man sich selbst in eine soziale Norm ein. Die Aristasianer erklären, dass diese Theorie auch auf andere Jugendkulturen übertragbar sei, wie z. B. Hip-Hop, Gothic oder Black Metal.

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